Worst Performing Building (WPB): Warum das schlechteste Haus die höchste Förderung bekommt

„Worst Performing Building“ – kurz WPB – ist der Förderbegriff für Häuser mit der schlechtesten Energiebilanz in Deutschland. Klingt nach Makel, ist bei einer Komplettsanierung aber ein Vorteil: Wer ein solches Haus zum Effizienzhaus saniert, bekommt von der KfW 10 Prozentpunkte zusätzlichen Tilgungszuschuss. Bei einem Einfamilienhaus können das bis zu 15.000 € sein, bei einem Mehrfamilienhaus ein Vielfaches. Dieser Beitrag erklärt ohne Fachchinesisch, ob Ihr Haus dazugehört, wie Sie das nachweisen und welcher Fehler den Bonus am häufigsten kostet.

Was bedeutet „Worst Performing Building“ (WPB)?

Übersetzt heißt Worst Performing Building „Gebäude mit der schlechtesten Leistung“ – gemeint ist die energetische Leistung. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fasst darunter die etwa 25 Prozent der Wohn- und Nichtwohngebäude in Deutschland, die im energetisch schlechtesten Zustand sind. Die Abkürzung WPB taucht in Förderanträgen, Merkblättern und Angeboten auf, ohne dass sie jemand erklärt.

Typische Kandidaten sind Häuser, an denen seit dem Bau energetisch wenig passiert ist: ungedämmte Außenwände aus den 1950er- bis 1970er-Jahren, alte Fenster, ein ungedämmtes Dach oder eine ungedämmte oberste Geschossdecke, dazu eine alte Öl- oder Gasheizung. Im Energieausweis landen solche Gebäude meist in der letzten Effizienzklasse H.

Was Energieeffizienzklasse H konkret heißt

Die Klassen im Energieausweis reichen von A+ bis H. Klasse H bedeutet einen Endenergiebedarf von mehr als 250 Kilowattstunden je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Zur Einordnung: Ein Haus mit 150 m² und 300 kWh/(m²·a) braucht rund 45.000 kWh im Jahr – das entspricht etwa 4.500 Litern Heizöl oder 4.500 m³ Erdgas. Ein saniertes Effizienzhaus kommt mit einem Bruchteil davon aus.

Klasse H ist also ein Hinweis auf hohe laufende Kosten. Für die Förderung ist sie zugleich die Eintrittskarte in den höchsten Bonus.

Was bringt der WPB-Bonus in Euro?

Der WPB-Bonus gehört zum Wohngebäude-Kredit KfW 261, also zur Sanierung des ganzen Hauses zu einem Effizienzhaus. Die KfW gibt einen zinsgünstigen Kredit von bis zu 150.000 € je Wohnung. Ein Teil davon muss nicht zurückgezahlt werden – das ist der Tilgungszuschuss. Er wird nach der Sanierung einfach vom Kreditbetrag abgezogen.

Wie hoch der Tilgungszuschuss ist, hängt davon ab, welchen Effizienzhaus-Standard das Gebäude nach der Sanierung erreicht. Je kleiner die Zahl, desto besser das Haus. Seit der Reform vom 21.07.2026 gilt:

Effizienzhaus-Stufe nach SanierungTilgungszuschuss normalmit WPB-Bonus
EH 85 EE0 %kein WPB-Bonus
EH 70 EE0 %10 %
EH 55 EE5 %15 %
EH 40 EE10 %20 %

„EE“ steht für Erneuerbare-Energien-Klasse: Das Haus muss überwiegend mit erneuerbarer Wärme versorgt werden, etwa mit einer Wärmepumpe. Sie ist seit Juli 2026 Pflicht. Zusätzlich möglich sind 5 Prozentpunkte für die Nachhaltigkeits-Klasse (NH) und ein Bonus für serielle Sanierung mit vorgefertigten Fassaden- und Dachelementen. Die Summe aus WPB- und Serien-Bonus ist gedeckelt; die genaue Grenze nennt das KfW-Merkblatt 261.

Zwei Rechenbeispiele

  • Einfamilienhaus, saniert auf EH 70 EE: Ohne WPB-Status gibt es auf dieser Stufe keinen Tilgungszuschuss. Mit WPB-Status sind es 10 % – bei voll ausgeschöpften 150.000 € Kredit also 15.000 €, die nicht zurückgezahlt werden.
  • Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen, saniert auf EH 55 EE: Ohne WPB 5 %, mit WPB 15 %. Bei voller Kreditsumme je Wohnung sind das statt 60.000 € bis zu 180.000 € Tilgungszuschuss.

Dazu kommt ein eigener Zuschuss von 50 % auf die Kosten für Fachplanung und Baubegleitung durch den Energieeffizienz-Experten – beim Ein- oder Zweifamilienhaus bis 5.000 €, beim Mehrfamilienhaus bis 2.000 € je Wohnung und höchstens 20.000 €.

Ist mein Haus ein Worst Performing Building?

Mit der Reform vom 21.07.2026 hat sich geändert, wie der WPB-Status nachgewiesen wird. Viele Ratgeber im Netz beschreiben noch die alten Regeln. Heute gibt es zwei Wege – und welcher für Sie gilt, hängt von der Art des Gebäudes ab.

Weg 1: über den Energiebedarf – für alle Wohngebäude

Ein Wohngebäude ist ein WPB, wenn ein Energiebedarfsausweis der Klasse H vorliegt oder nach DIN V 18599 ein Endenergiebedarf von mindestens 300 kWh/(m²·a) berechnet wird. Der zweite Wert betrifft vor allem ältere Bedarfsausweise, auf denen noch keine Effizienzklasse steht.

Wichtig für die Praxis:

  • Ein Verbrauchsausweis genügt nicht. Er zeigt, wie viel die Bewohner tatsächlich geheizt haben – das hängt auch vom Verhalten ab. Für den WPB-Nachweis braucht es den berechneten Bedarf.
  • Der Ausweis muss gültig sein und den Zustand unmittelbar vor der Sanierung zeigen.
  • Ein Bedarfsausweis wird ohnehin gebraucht: Für den Effizienzhaus-Antrag rechnet der Energieeffizienz-Experte das Gebäude sowieso durch. Der WPB-Nachweis ist dann kein Zusatzaufwand, sondern ein Ergebnis derselben Berechnung.

Weg 2: über das Baujahr – nur für Nichtwohngebäude und größere Mehrfamilienhäuser

Nichtwohngebäude und Wohngebäude mit mehr als fünf Wohnungen und zentraler Warmwasserbereitung können den WPB-Status alternativ über das Baujahr nachweisen – unabhängig vom berechneten Bedarf. Voraussetzung:

  • Baujahr 1957 oder früher (Jahr der Fertigstellung; ersatzweise Jahr des Bauantrags, wenn das Haus entsprechend fertiggestellt wurde)
  • das Gebäude ist im Wesentlichen energetisch unsaniert – die Außenwand zu mindestens 75 % ohne energetische Sanierung
  • keine Anbauten oder Erweiterungen nach dem 01.01.1984, die die Nutzfläche um mehr als 20 % vergrößert haben

Als Sanierung zählt dabei nicht alles, was an der Fassade gemacht wurde: Maßnahmen an der Außenwand bis einschließlich 31.12.1983, ein neuer Fassadenputz oder ein Wärmedämmputz gelten nicht als energetische Sanierung. Eine nach 1983 aufgebrachte Dämmung dagegen schon.

Historische Bauakte der Lokalbaukommission München – Nachweis des Baujahrs für den Worst-Performing-Building-Status
Beim Nachweis über das Baujahr zählt die Bauakte: Jahr der Fertigstellung oder des Bauantrags. Adressangaben unkenntlich gemacht.

Für Ein- und Zweifamilienhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser reicht das Baujahr allein also nicht mehr. „Mein Haus ist von 1955, also bin ich WPB“ stimmt seit Juli 2026 nur noch für größere Gebäude. Für alle anderen entscheidet die Bedarfsberechnung.

Schnellcheck für Eigentümer

FrageWenn ja
Liegt ein gültiger Energiebedarfsausweis mit Klasse H vor?WPB sehr wahrscheinlich – Ausweis vom Experten prüfen lassen
Nur ein Verbrauchsausweis mit Klasse H?Guter Hinweis, aber kein Nachweis – Bedarf berechnen lassen
Mehr als fünf Wohnungen, zentrales Warmwasser, Baujahr bis 1957, Fassade ungedämmt?WPB über das Baujahr möglich
Wurden seit dem letzten Ausweis Fenster, Heizung oder Dämmung erneuert?Status neu prüfen – er kann verloren gegangen sein

Die häufigste Falle: erst die Fenster, dann die Förderung

Der WPB-Status beschreibt den Zustand vor der Sanierung. Wer vor dem Antrag schon einzelne Teile erneuert, verbessert das Haus – und rutscht damit womöglich aus der Klasse H heraus. Ein typischer Verlauf:

  1. Die alte Heizung fällt aus oder die Fenster sind undicht.
  2. Eigentümer lassen schnell tauschen, gefördert als Einzelmaßnahme.
  3. Ein Jahr später soll das ganze Haus saniert werden.
  4. Der neue Bedarfsausweis zeigt jetzt Klasse G – der WPB-Bonus ist weg.

Hinzu kommt eine zweite Sperre: Seit Juli 2026 können Einzelmaßnahmenförderung und Effizienzhaus-Kredit nicht mehr parallel beantragt werden. Nach einer geförderten Einzelmaßnahme gilt für die Effizienzhaus-Förderung desselben Gebäudes eine Wartezeit von drei Jahren – mehr dazu im Beitrag zum Kombinationsverbot.

Das heißt nicht, dass Sie bei einem Heizungsausfall frieren müssen. Es heißt: Bevor die erste Maßnahme beauftragt wird, sollte klar sein, welcher Förderweg das Haus trägt. Eine Notlösung für den Winter lässt sich meist so wählen, dass der spätere Effizienzhaus-Weg offen bleibt.

Was der Sprung auf EH 70 EE technisch bedeutet

Den Bonus gibt es erst ab EH 70 EE, nicht bei EH 85 EE. Aus dem energetisch schlechtesten Haus ein Effizienzhaus 70 zu machen, ist der größte Sprung, den die Förderung kennt. Er gelingt nur, wenn die Bausteine zusammenpassen:

  • Gebäudehülle als Ganzes: Fassade, Dach oder oberste Geschossdecke, Kellerdecke und Fenster werden aufeinander abgestimmt – eine einzelne dicke Dämmung reicht nicht.
  • Wärmebrücken: An Balkonen, Fensteranschlüssen und Deckenauflagern geht im Altbau viel Wärme verloren. Werden sie nur pauschal angesetzt, fehlen am Ende oft genau die Punkte zur nächsten Stufe. Eine gerechnete Wärmebrückenbilanz kann den Unterschied machen.
  • Luftdichtheit und Lüftung: Ein dichtes Haus braucht ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, sonst drohen Feuchte und Schimmel.
  • Heizung: Die Wärmepumpe oder ein anderer erneuerbarer Wärmeerzeuger wird auf die Heizlast des sanierten Hauses ausgelegt – nicht auf die des alten. Sonst ist sie zu groß, taktet und verbraucht mehr Strom. Mehr dazu unter Heizlastberechnung für die Wärmepumpe.

So läuft es ab – in sechs Schritten

  1. Bestandsaufnahme: Vor-Ort-Termin, Unterlagen, vorhandener Energieausweis.
  2. WPB-Prüfung: Bedarfsberechnung nach DIN V 18599 oder Nachweis über Baujahr und Sanierungszustand.
  3. Variantenrechnung: Welche Stufe ist mit welchem Aufwand erreichbar – EH 70 EE, 55 EE oder 40 EE? Was kosten die Maßnahmen, was bringt die Förderung?
  4. Bestätigung zum Antrag (BzA) und Kreditantrag über die Hausbank – erst danach Bauverträge unterschreiben.
  5. Umsetzung mit Baubegleitung: Der Experte prüft, dass so gebaut wird, wie geplant.
  6. Bestätigung nach Durchführung (BnD): Danach schreibt die KfW den Tilgungszuschuss gut.

Was sich 2026 und 2027 noch ändert

  • Seit 24.09.2026: Der Bonus für serielle Sanierung ist auch für EH 70 EE beantragbar (5 Prozentpunkte).
  • Ab dem 1. Quartal 2027: Einen WPB-Bonus von 5 % soll es auch bei Einzelmaßnahmen geben – für die Dämmung der Gebäudehülle (nicht für Fenster) und nur, wenn die Maßnahme Teil eines geförderten Sanierungsfahrplans ist.

Fazit

Ein Haus der Klasse H ist teuer im Betrieb – und bei der Komplettsanierung der größte Förderhebel, den es derzeit gibt. Der Bonus fällt aber nicht automatisch an: Er braucht einen korrekten Bedarfsnachweis, die richtige Reihenfolge und eine Planung, die EH 70 EE sicher erreicht. Wer vor der ersten Maßnahme prüfen lässt, ob das Haus ein WPB ist, verschenkt ihn nicht.

Wir prüfen den WPB-Status, rechnen die Varianten und begleiten die Sanierung bis zur Bestätigung nach Durchführung – als in der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes eingetragenes Ingenieurbüro, unabhängig vom ausführenden Betrieb. Mehr zur Fachplanung und Baubegleitung. Rückruf vereinbaren oder direkt ein kostenfreies Erstgespräch buchen.

Häufige Fragen zum Worst Performing Building

Was heißt WPB?

WPB steht für „Worst Performing Building“ – ein Gebäude mit besonders schlechter Energiebilanz. Gemeint sind etwa die 25 % der Gebäude in Deutschland mit dem schlechtesten energetischen Zustand. Für sie gibt es bei der Sanierung zum Effizienzhaus einen zusätzlichen Förderbonus.

Wie erkenne ich, ob mein Haus ein Worst Performing Building ist?

Bei Wohngebäuden über einen gültigen Energiebedarfsausweis der Klasse H oder eine Berechnung nach DIN V 18599 mit mindestens 300 kWh/(m²·a) Endenergiebedarf. Bei Nichtwohngebäuden und Mehrfamilienhäusern mit mehr als fünf Wohnungen und zentralem Warmwasser alternativ über Baujahr bis 1957 und eine weitgehend unsanierte Fassade.

Reicht mein Verbrauchsausweis mit Klasse H?

Nein. Seit dem 21.07.2026 zählt für Wohngebäude der berechnete Bedarf, nicht der gemessene Verbrauch. Ein Verbrauchsausweis mit Klasse H ist ein guter Hinweis, dass sich die Prüfung lohnt – der Nachweis selbst erfolgt über einen Bedarfsausweis bzw. die Bedarfsberechnung.

Mein Haus ist von 1955 – bin ich automatisch WPB?

Nur, wenn es ein Nichtwohngebäude oder ein Wohngebäude mit mehr als fünf Wohnungen und zentraler Warmwasserbereitung ist und die Außenwand zu mindestens 75 % unsaniert ist. Für Ein- und Zweifamilienhäuser entscheidet die Bedarfsberechnung.

Wie hoch ist der WPB-Bonus in Euro?

10 Prozentpunkte Tilgungszuschuss auf den Kredit von bis zu 150.000 € je Wohnung – also bis zu 15.000 € je Wohnung. Bei einem Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen bis zu 120.000 € zusätzlich.

Gibt es den WPB-Bonus auch bei Effizienzhaus 85 EE?

Nein. Der Bonus gilt ab EH 70 EE, außerdem bei EH 55 EE und EH 40 EE.

Verliere ich den WPB-Status, wenn ich vorher die Heizung oder die Fenster tausche?

Das kann passieren, wenn der Status über den Energiebedarf nachgewiesen wird: Jede Verbesserung senkt den Bedarf, das Haus kann aus der Klasse H herausfallen. Außerdem sperrt eine geförderte Einzelmaßnahme den Effizienzhaus-Kredit für drei Jahre. Deshalb zuerst den Förderweg klären.

Gibt es den WPB-Bonus auch für Einzelmaßnahmen?

Angekündigt ab dem 1. Quartal 2027: 5 % zusätzlich für die Dämmung der Gebäudehülle (nicht für Fenster), wenn die Maßnahme Teil eines geförderten Sanierungsfahrplans ist. Bis dahin gibt es den Bonus nur bei der Sanierung zum Effizienzhaus.

Wer stellt den WPB-Nachweis aus?

Ein Energieeffizienz-Experte aus der Expertenliste des Bundes. Er erstellt die Bedarfsberechnung, dokumentiert den WPB-Status in der Bestätigung zum Antrag und begleitet die Sanierung bis zur Bestätigung nach Durchführung.

Lässt sich der WPB-Bonus mit anderen Boni kombinieren?

Ja, mit der Nachhaltigkeits-Klasse und dem Bonus für serielle Sanierung. Die Summe aus WPB- und Serien-Bonus ist gedeckelt. Maßgeblich sind das aktuelle KfW-Merkblatt 261 und die eigene Zusage.

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