Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Warum nicht das Gerät, sondern das System entscheidet

Was die Fraunhofer-Studie LCR290 über R290, Heizlast, Hydraulik und die heutige Gerätetechnik zeigt

Bei einem Einfamilienhaus lässt sich über die Eignung einer Wärmepumpe vergleichsweise schnell diskutieren. Beim Mehrfamilienhaus funktioniert diese Vereinfachung nicht.

Die entscheidende Frage lautet dort nicht:

Welche Wärmepumpe soll eingebaut werden?

Sondern:

Welche Wärmeleistung muss das Gebäude tatsächlich erhalten, welche Systemtemperaturen benötigt die vorhandene Wärmeverteilung, wie wird Trinkwarmwasser erzeugt und wie müssen Wärmeerzeugung, Speicher, Hydraulik und Regelung miteinander zusammenspielen?

Genau diese Verschiebung der Fragestellung gehört für mich zu den wichtigsten Erkenntnissen des Forschungsprojekts LCR290 des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

Das Projekt lief von Januar 2023 bis Dezember 2025 und beschäftigte sich mit Wärmepumpenlösungen mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290) für den Ersatz bestehender Gas- und Ölgeräte. Neben technischen Demonstratoren wurden unterschiedliche zentrale und dezentrale Systemkonzepte, Sicherheitsfragen, Hydraulik, Regelung und konkrete Planungsansätze für Mehrfamilienhäuser untersucht. [1] Der Abschlussbericht umfasst dabei ausdrücklich auch ein eigenes Kapitel zum Planungsprozess für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern.

Die im Projekt analysierten Beispielgebäude weisen Heizlasten von etwa 23 bis 93 kW auf. Fraunhofer ISE leitet daraus ausdrücklich ab, dass es keine einheitliche technologische Lösung für den Heizungstausch im Mehrfamilienhaus gibt. Gebäudegröße, vorhandenes Wärmeverteilsystem, Warmwasserbereitung, Platzverhältnisse, Wärmequelle, Schallschutz und Sicherheitsanforderungen müssen gemeinsam betrachtet werden. [2]

Das klingt zunächst selbstverständlich.

In der Praxis entscheidet sich aber genau an dieser Stelle, ob aus einer Wärmepumpe lediglich ein neuer Wärmeerzeuger oder tatsächlich ein funktionierendes Gesamtsystem wird.

Mehrfamilienhaus ist nicht gleich Mehrfamilienhaus

LCR290 untersucht sowohl wohnungsweise Wärmepumpenlösungen als auch zentrale Anlagen für Innen- und Außenaufstellung. [1, Kap. 2.1 und 2.4]

Damit lassen sich für Bestandsgebäude mehrere grundsätzlich unterschiedliche Lösungswege ableiten:

SystemansatzTypische AnwendungVorteilKritische Planungsfragen
Zentrale Luft/Wasser-Wärmepumpebestehende Zentralheizungvergleichsweise einfache Erschließung der WärmequelleSchall, Aufstellung, Abtauung, Volumenströme
Wärmepumpenkaskademittlere und größere MFHModularität und größerer LeistungsbereichRegelung, Hydraulik, Mindestvolumenstrom
Sole/Wasser-WärmepumpeErdsonden, Erdreich oder Quellennetzgünstige QuellentemperaturenErschließung und Genehmigung
Wasser/Wasser-Wärmepumpegeeignete Grundwasserverhältnissesehr gute Wärmequellentemperaturen möglichWasserqualität, Brunnen und Genehmigung
Wohnungsweise WärmepumpeErsatz von Gasetagenheizungenindividuelle VersorgungAufstellraum, Warmwasser, Wärmequelle
Bivalentes Systemhohe Lasten oder Temperaturen im Bestandschrittweise Transformation möglichBivalenzpunkt und Betriebsstrategie
Wärmepumpe mit dezentraler Warmwasserbereitungproblematische zentrale Warmwasser- und ZirkulationssystemeTrennung verschiedener TemperaturniveausElektroanschluss und Versorgungskonzept

Fraunhofer ISE kommt nach der Bewertung der unterschiedlichen Varianten zu keinem universellen Sieger. Die Kriterien wirken teilweise gegeneinander. Eine Lösung mit hoher Effizienz kann beispielsweise höhere Anforderungen an Wärmequelle oder Umbau stellen; eine platzsparende Variante kann an anderer Stelle zusätzliche technische Anforderungen erzeugen. [1, Kap. 2.4]

Das ist fĂĽr die Praxis ausgesprochen wichtig.

Nicht die Technologieklasse allein entscheidet über die Eignung. Entscheidend ist ihre Integration in das konkrete Gebäude.

Was der Wärmepumpenmarkt inzwischen anbietet

Interessant ist der Vergleich der Forschungsarbeit mit der inzwischen verfügbaren Gerätetechnik.

Im LCR290-Projekt gehörten unter anderem Bosch Thermotechnik, CTA, iDM, SOLVIS, STIEBEL ELTRON, Vaillant, Viessmann, Weider und WOLF zum industriellen Projektumfeld. [1]

Aus deren heutigen Produktprogrammen lassen sich exemplarisch folgende Gerätetypen ableiten:

Hersteller / BaureiheSystemRelevante technische Einordnung
Vaillant aroTHERM plusR290 Luft/Wasserhohe Vorlauftemperaturen, Kaskadierung möglich
Viessmann Vitocal 250-A PROR290 Luft/WasserLeistungsklasse für größere Wohn- und Gewerbegebäude
WOLF CHA-MonoblockR290 Luft/WasserKaskadenkonzepte für größere Leistungen
Weider weiTrona airR290 Luft/Wassermodulare Leistungsgrößen
CTA AeroheatR290 Luft/Wasserunterschiedliche Leistungs- und Temperaturbereiche
iDM iPUMP N5wohnungsweise WärmepumpeAnsatz für mehrgeschossigen Wohnbau
SOLVIS SolvisPiaR290 Luft/WasserIntegration in unterschiedliche Anlagenkonzepte

Wichtig: Diese Übersicht ist keine vergleichende Produktbewertung. Leistungsangaben verschiedener Hersteller sind nur eingeschränkt direkt vergleichbar, weil Prüfbedingungen, Außentemperaturen, Vorlauftemperaturen, Modulationsbereiche und Systemgrenzen voneinander abweichen. Für eine technische Auswahl müssen deshalb immer die jeweiligen Herstellerdaten am konkreten Auslegungspunkt betrachtet werden. [3–9]

Das eigentliche Ergebnis dieser Marktbetrachtung lautet daher nicht, dass ein bestimmtes Fabrikat „das beste“ sei.

Der Markt stellt inzwischen Geräte in Leistungsklassen und Temperaturbereichen zur Verfügung, die zahlreiche Mehrfamilienhäuser technisch erschließen können.

Damit verschiebt sich die zentrale Herausforderung zunehmend zur Systemplanung.

Eine hohe maximale Vorlauftemperatur ist noch kein gutes Wärmepumpenkonzept

Dass R290-Wärmepumpen inzwischen teilweise Vorlauftemperaturen von 70 °C und darüber erreichen können, erweitert den Einsatzbereich im Bestand erheblich. [3–9]

Daraus folgt jedoch nicht, dass ein Gebäude dauerhaft auf diesem Temperaturniveau betrieben werden sollte.

Thermodynamisch bleibt der Zusammenhang bestehen: Mit wachsendem Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Heizsystem steigt grundsätzlich der Aufwand des Kältekreises. Die erreichbare maximale Vorlauftemperatur sagt deshalb wenig über die spätere saisonale Effizienz aus.

Die planerische Frage lautet nicht:

Wie heiß kann die Wärmepumpe werden?

Sondern:

Wie niedrig kann das Gebäude tatsächlich betrieben werden?

Genau dafür ist die Heizflächenprüfung entscheidend.

Im LCR290-Projekt wurde bei einem energetisch sanierten Mehrfamilienhaus beispielsweise eine Norm-Heizlast von rund 38 kW beziehungsweise 31 W/m² ermittelt. Nach Prüfung der vorhandenen Wärmeübergabe konnte das geplante Temperaturniveau auf etwa 50/40 °C abgesenkt werden; lediglich einzelne Heizkörper mussten angepasst werden. [1, Kap. 2.5]

Andere untersuchte Gebäude zeigten dagegen deutlich höhere Anforderungen.

Der Unterschied lag also nicht einfach im Baujahr.

Er lag im Zusammenspiel von Heizlast, Gebäudezustand und vorhandenen Heizflächen.

Heizlastberechnung nach DIN EN 12831: mehr als die Auswahl der Gerätegröße

Bei Wärmepumpenangeboten wird die Heizlastberechnung gelegentlich auf einen einzigen Wert reduziert:

Heizlast des Gebäudes: XX kW.

FĂĽr ein Mehrfamilienhaus ist das zu wenig.

Die eigentliche planerische Kette lautet:

Raumheizlast → Heizfläche → Systemtemperatur → erforderlicher Volumenstrom → hydraulische Einstellung → Gesamtleistung des Gebäudes → Wärmeerzeugung

Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 bildet deshalb nicht nur die Grundlage für die Auswahl des Wärmeerzeugers. Sie liefert insbesondere über die raumweise Betrachtung die Grundlage für die Beurteilung der Wärmeübertragung und des hydraulischen Systems. [10, 11]

Gerade im Bestand sollte zusätzlich eine Plausibilisierung mit Verbrauchs- oder Messdaten erfolgen.

Das Fraunhofer-Projekt zeigt sehr anschaulich, warum.

Bei einem untersuchten Bestandsgebäude ergab die normativ berechnete Heizlast einen höheren Wert als eine aus realen Betriebsdaten abgeleitete Lastabschätzung. [1, Kap. 2.5]

Das bedeutet nicht, dass die DIN-Berechnung falsch wäre.

Norm-Heizlast und tatsächliche Betriebsheizlast beantworten unterschiedliche Fragen.

Die Normberechnung dient der sicheren Auslegung unter definierten Randbedingungen. Messwerte beschreiben dagegen das reale Gebäude mit seiner tatsächlichen Nutzung und seinem realen Betriebszustand.

Für größere Wärmepumpenanlagen ist deshalb die Kombination besonders wertvoll:

Norm-Heizlast + Verbrauchsplausibilisierung + reale Systemtemperaturen + Heizflächenprüfung.

Warum Überdimensionierung bei der Wärmepumpe stärker auffällt

Eine bestehende Gas- oder Ölheizung ist nicht selten deutlich größer dimensioniert als die tatsächliche Gebäudeheizlast.

Das muss im bisherigen Betrieb nicht sofort aufgefallen sein.

Bei einer Wärmepumpe beeinflusst die Dimensionierung dagegen Modulationsbereich, Verdichterlaufzeiten, Takthäufigkeit, Investitionskosten und teilweise auch die saisonale Effizienz.

LCR290 untersuchte unter anderem den Einfluss unterschiedlicher Leistungsanforderungen auf eine simulierte Luft/Wasser-Wärmepumpe. Die Ergebnisse zeigen, dass sich eine größere angeforderte Leistung im untersuchten Modell auf den SCOP auswirkte. [1, Abb. 12 und 13]

Diese Untersuchung sollte nicht als universelle mathematische Regel für alle Wärmepumpen interpretiert werden.

Sie zeigt jedoch den planerisch relevanten Zusammenhang:

Mehr installierte Leistung ist nicht automatisch mehr Betriebssicherheit.

Wenn die Wärmepumpe weit über der real erforderlichen Leistung liegt und ihren unteren Modulationsbereich häufig unterschreitet, kann gerade in der Übergangszeit unnötiges Takten entstehen.

Heizkörper: Das Baujahr beantwortet die Frage nicht

Die Aussage, ein Altbau mit Heizkörpern sei grundsätzlich ungeeignet für eine Wärmepumpe, lässt sich technisch nicht halten.

Entscheidend ist, welche Leistung die vorhandenen Heizflächen beim zukünftigen Temperaturniveau tatsächlich übertragen.

DafĂĽr mĂĽssen zwei Werte gegenĂĽbergestellt werden:

Raumheizlast und Heizkörperleistung bei der geplanten Vor-/Rücklauftemperatur.

Die LCR290-Untersuchungen zeigen, dass in mehreren Gebäuden vorhandene Heizkörper auch bei abgesenkten Temperaturen ausreichend dimensioniert waren. In anderen Fällen reichten sie dagegen nicht aus. [1, Kap. 2.5]

Die notwendige PrĂĽfung ist deshalb ĂĽberraschend nĂĽchtern:

Wie viele Watt benötigt der Raum – und wie viele Watt liefert der vorhandene Heizkörper bei dem vorgesehenen Temperaturniveau?

Das Ergebnis kann heiĂźen:

  • kein Heizkörperaustausch,
  • Austausch einzelner Heizkörper,
  • umfangreiche Anpassung der Heizflächen,
  • oder zunächst ein höheres Temperaturniveau.

Pauschale Aussagen sind hier fachlich wenig sinnvoll.

Hydraulischer Abgleich: bei Wärmepumpen eine Systemfrage

Damit kommt man unmittelbar zum hydraulischen Abgleich.

Für die Wärmepumpe ist er nicht lediglich ein Nachweis am Ende der Maßnahme.

Er beeinflusst den Anlagenbetrieb unmittelbar.

Für Wasser gilt näherungsweise:

V̇ = Q / (1,163 × ΔT)

mit

  • V̇ = Volumenstrom in mÂł/h,
  • Q = Wärmeleistung in kW,
  • ΔT = Temperaturspreizung in K.

Bei einer Heizleistung von 50 kW ergeben sich beispielsweise folgende Größenordnungen:

SpreizungErforderlicher Volumenstrom
15 Kca. 2,9 mÂł/h
10 Kca. 4,3 mÂł/h
5 Kca. 8,6 mÂł/h

Die Berechnung macht einen grundlegenden Zusammenhang sichtbar:

Mit sinkender Temperaturspreizung steigt der notwendige Volumenstrom erheblich.

Dadurch werden Rohrnetze, Ventile, Stränge, Pumpenkennlinien und Druckverluste unmittelbar relevant.

Verfahren B: der Zusammenhang zwischen Heizlast und Hydraulik

Beim hydraulischen Abgleich nach Verfahren B bildet die raumweise Heizlast die Grundlage der Berechnung. Aus Heizlast, vorhandener Heizfläche und vorgesehenem Temperaturniveau werden die erforderlichen Volumenströme und daraus die notwendigen Einstellungen abgeleitet. [12]

Bei Mehrfamilienhäusern sollte die Betrachtung jedoch nicht bei der Ventilvoreinstellung enden.

Man kann drei Ebenen unterscheiden:

EbeneEntscheidende Frage
RaumWelche Heizleistung und welcher Volumenstrom werden benötigt?
VerteilnetzErreichen die erforderlichen Volumenströme tatsächlich alle Heizflächen?
WärmeerzeugungWie werden Wärmepumpe, Speicher, Kaskade und Heizkreise hydraulisch gekoppelt?

Gerade die dritte Ebene bestimmt bei größeren Wärmepumpenanlagen erheblich mit, ob das System später effizient arbeitet.

Die Fraunhofer-Simulation zeigt den Einfluss der Hydraulik besonders deutlich

LCR290 untersuchte verschiedene hydraulische und regelungstechnische Konfigurationen für zentrale Wärmepumpensysteme. [1, Kap. 2.4.2]

Die Unterschiede sind bemerkenswert.

Mehrere der untersuchten Varianten erreichten saisonale Leistungsfaktoren von ungefähr 3,1. Eine ungünstigere „Single-Mode“-Konfiguration lag dagegen bei etwa 2,69. [1, Abb. 83 ff.]

Der Unterschied entstand nicht einfach durch eine bessere oder schlechtere Wärmepumpe.

Die Ursache lag wesentlich im Systembetrieb.

In einer ungünstigen Konfiguration konnte eine gleichzeitige Anforderung von Raumheizung und Trinkwarmwasser dazu führen, dass elektrische Zusatzwärme benötigt wurde, obwohl grundsätzlich Wärmepumpenleistung vorhanden war. [1, Kap. 2.4.2]

Das ist ein wichtiger Befund.

Ein guter COP im Datenblatt garantiert noch keine gute Jahresarbeitszahl der Gesamtanlage.

Hydraulik und Regelung entscheiden mit.

Pufferspeicher: zunächst die Aufgabe definieren

Auch bei Pufferspeichern wird häufig zu schnell mit Literwerten gearbeitet.

Dabei sollte zunächst geklärt werden, welche Funktion der Speicher übernehmen soll:

  • Mindestvolumen bereitstellen,
  • Abtauenergie sicherstellen,
  • hydraulische Entkopplung,
  • Taktung reduzieren,
  • Lastspitzen puffern,
  • Wärmepumpenkaskaden koordinieren.

Im LCR290-Projekt wurden für die Untersuchungen unter anderem spezifische Speichervolumina in Abhängigkeit von Wärmepumpentyp und Leistung angenommen. Diese Werte dienten der Modellierung und sind nicht als allgemeine Dimensionierungsregel zu verstehen. [1, Kap. 2.1.2]

Besonders kritisch diskutiert der Bericht sehr große Kombispeicher für gleichzeitig unterschiedlich temperierte Bereiche. Vermischung, zusätzliche Verluste und ungünstigere Regelbarkeit können die Effizienz beeinträchtigen. [1]

Auch hier gilt deshalb:

Nicht zuerst die Speichergröße festlegen. Zuerst die hydraulische Aufgabe definieren.

Trinkwarmwasser ist im Mehrfamilienhaus häufig der anspruchsvollere Teil

Die Raumheizung eines modernisierten Mehrfamilienhauses kann eventuell mit Vorlauftemperaturen um 45 bis 55 °C betrieben werden.

Die Trinkwarmwasserbereitung folgt einer anderen Logik.

Speichertemperaturen, Zirkulationssystem, Trinkwasserhygiene und Zapfspitzen erzeugen andere Anforderungen als die Raumheizung.

LCR290 betrachtet deshalb unterschiedliche zentrale und dezentrale Warmwasserkonzepte. [1, Kap. 2.4]

Bei wohnungsweisen Wärmepumpen werden Speichergröße und verfügbarer Einbauraum schnell zu einem konstruktiven Problem. Bei zentralen Systemen wiederum können Zirkulationsverluste und das höhere Temperaturniveau die Effizienz beeinflussen. [1]

Die Trinkwarmwasserbereitung sollte deshalb bei größeren Wohngebäuden nicht als Nebenfunktion des Wärmeerzeugers behandelt werden.

Sie ist ein eigener Planungsbaustein.

Kaskaden sind mehr als mehrere Wärmepumpen nebeneinander

Mit steigender Gebäudeleistung werden Wärmepumpenkaskaden interessant.

Mehrere Geräte bieten mögliche Vorteile:

  • größeren Modulationsbereich,
  • Teillastbetrieb,
  • Redundanz,
  • Aufteilung verschiedener Betriebsaufgaben,
  • standardisierte Gerätetechnik.

LCR290 hat unterschiedliche Wärmepumpenverbünde und Regelstrategien untersucht. Dabei zeigten sich bei ähnlicher saisonaler Effizienz teilweise Unterschiede in Schaltvorgängen und Betriebsverhalten. [1, Kap. 2.4.2]

Das bedeutet:

Die entscheidende Planungsfrage einer Kaskade lautet nicht nur:

Wie viele Wärmepumpen benötigen wir?

Sondern:

Welche Wärmepumpe arbeitet wann, mit welchem Temperaturniveau und für welche Aufgabe?

Genau hier greifen Wärmeerzeugung, Warmwasser, Speicher, Hydraulik und Regelung ineinander.

Auch bivalente Systeme können technisch sinnvoll sein

Nicht jedes Bestandsgebäude muss am ersten Tag vollständig monovalent mit einer Wärmepumpe versorgt werden.

LCR290 untersucht auch Gebäude mit hohen Heizlasten und hohen vorhandenen Systemtemperaturen. Für entsprechende Ausgangssituationen wurden bivalente Konzepte betrachtet. [1, Kap. 2.5]

Ein Spitzenlastwärmeerzeuger kann technisch sinnvoll sein, wenn er einen begrenzten Betriebsbereich übernimmt und gleichzeitig eine spätere Weiterentwicklung des Gebäudes möglich bleibt.

Wichtig ist allerdings, dass die Bivalenz geplant wird.

Eine Wärmepumpe, die lediglich zusätzlich zu einem bestehenden Kessel gestellt wird, ohne Bivalenzpunkt, Regelstrategie und spätere Entwicklung des Gebäudes zu berücksichtigen, ist kein belastbares Konzept.

Propan R290: technisch attraktiv, sicherheitstechnisch zu berĂĽcksichtigen

Das Forschungsprojekt widmete einen erheblichen Teil der Arbeit den Sicherheitsfragen des Kältemittels R290.

Propan besitzt ein sehr niedriges Treibhauspotenzial, ist jedoch brennbar.

Im Projekt wurden deshalb unterschiedliche Konzepte zur Reduzierung der Kältemittelfüllmenge und zur sicheren Innenaufstellung untersucht. Dazu gehörten ein belüftetes Gehäuse sowie weitere Entlüftungs- und Drainageansätze. Mehr als 100 experimentelle Untersuchungen wurden durchgeführt. [1, Kap. 2.3; 2]

Die Presseinformation des Fraunhofer ISE berichtet unter anderem über einen dezentralen Demonstrator mit 150 g Propan sowie eine zentrale Sole/Wasser-Wärmepumpe mit 28 kW Heizleistung bei B0/W55. [2]

Das ist für die Entwicklung wohnungsweiser Wärmepumpen besonders relevant.

Bei außen aufgestellten Geräten verschieben sich die Planungsfragen dagegen in Richtung Aufstellbedingungen, Sicherheitsabstände, Öffnungen, Vertiefungen und Schallschutz.

Was sollte vor einem Wärmepumpenangebot für ein Mehrfamilienhaus geklärt werden?

Aus den Ergebnissen von LCR290, der aktuellen Gerätetechnik und der üblichen Fachplanung ergibt sich eine sinnvolle Reihenfolge:

1. Bestand erfassen

Gebäudehülle, Verbrauch, Heizflächen, bestehende Vor- und Rücklauftemperaturen, Warmwasser, Zirkulation, Technikflächen, Elektroanschluss und potenzielle Wärmequelle.

2. Raumweise Heizlast nach DIN EN 12831 bestimmen

Nicht nur Gesamtleistung, sondern die einzelnen Räume betrachten. [10, 11]

3. Berechnung plausibilisieren

Verbrauchsdaten, reale Systemtemperaturen und – sofern verfügbar – Messdaten des Bestands einbeziehen.

4. Heizflächen überprüfen

Leistung der vorhandenen Heizkörper bei unterschiedlichen zukünftigen Systemtemperaturen berechnen.

5. Wärmequelle und Aufstellung prüfen

Luft, Erdreich, Grundwasser oder Quellennetz sowie Schall, Platz, LeitungsfĂĽhrung und sicherheitstechnische Randbedingungen.

6. Trinkwarmwasser separat planen

Zentral oder dezentral, Speicher, Frischwasserstationen, Zirkulation und Lastprofile bewerten.

7. Wärmepumpe beziehungsweise Kaskade dimensionieren

Die vorhandene Kesselleistung ist dafĂĽr kein geeigneter Ersatzwert.

8. Hydraulischen Abgleich nach Verfahren B erstellen

Raumweise Volumenströme, Heizflächen, Ventile und Verteilnetz berechnen. [12]

9. Erzeugerhydraulik planen

Speicher, hydraulische Trennung, Kaskaden, Pumpen und Mindestvolumenströme bestimmen.

10. Regelstrategie festlegen

Raumheizung, Warmwasserbereitung, Kaskadenstufen, elektrische Zusatzheizung und gegebenenfalls Spitzenlastwärmeerzeuger aufeinander abstimmen.

Erst danach ist die Auswahl eines konkreten Wärmepumpenmodells wirklich belastbar.

Fazit

Die wichtigste Erkenntnis aus LCR290 liegt aus meiner Sicht nicht in einem einzelnen Demonstrator.

Sie liegt im Systemgedanken.

Der Markt bietet inzwischen R290-Wärmepumpen in Leistungs- und Temperaturbereichen, die deutlich mehr Anwendungen in Mehrfamilienhäusern erlauben als noch vor einigen Jahren. [3–9]

Dadurch verschiebt sich jedoch der kritische Punkt der Planung.

Nicht mehr ausschließlich die Frage, ob eine Wärmepumpe genügend Leistung oder Vorlauftemperatur erreichen kann, steht im Vordergrund.

Entscheidend wird zunehmend, ob das gesamte System zusammenpasst:

Heizlast → Heizflächen → Systemtemperatur → Volumenströme → Hydraulik → Trinkwarmwasser → Wärmepumpenleistung → Regelung.

Die Ergebnisse von Fraunhofer ISE zeigen, dass unterschiedliche hydraulische und regelungstechnische Konzepte trotz vergleichbarer Wärmepumpentechnik zu deutlich unterschiedlichen saisonalen Ergebnissen führen können. [1]

Genau deshalb reicht es bei einem Mehrfamilienhaus nicht, ein vorhandenes Heizgerät durch eine Wärmepumpe ähnlicher Nennleistung zu ersetzen.

Die Wärmepumpe ist ein Bauteil. Die eigentliche Ingenieuraufgabe ist das System darum herum.

Quellenverzeichnis

Wissenschaftliche Primärquelle

[1] Nienborg, B.; Bavia Bampi, B.; Huang, M.; Rodenbücher, B.; Rohrer, S.; Uhl, A.; Methler, T.; Fugmann, H.; Oltersdorf, T.; Heeg, M.; Kreutz, M.; Paul, T.; Engelmann, P.; Morawietz, K.; Schnabel, L.: LCR290 – Entwicklung von Wärmepumpenlösungen mit Propan für den Austausch von Gas- und Ölgeräten. Schlussbericht. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg, 2026. Förderkennzeichen 03EN4046. Projektlaufzeit 01.01.2023–31.12.2025. Besonders relevant: Kap. 2.1 „Referenzszenarien und Anforderungsprofile“, Kap. 2.3 „Sicherheitskonzepte“, Kap. 2.4 „Systemkonzepte“ und Kap. 2.5 „Planungsprozess“.

Fraunhofer-Projektinformation

[2] Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE: Propan-Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser – Fraunhofer ISE entwickelt Lösungskonzepte. Presseinformation zum Abschluss des Projekts LC R290, Freiburg, 28.07.2026.

Herstellerunterlagen – Marktübersicht

[3] Vaillant Deutschland GmbH & Co. KG: aroTHERM plus – Luft/Wasser-Wärmepumpe mit R290. Technische Produktinformationen, abgerufen August 2026.

[4] Viessmann Climate Solutions SE: Vitocal 250-A PRO – Luft/Wasser-Wärmepumpe für größere Gebäude. Technische Produktinformationen, abgerufen August 2026.

[5] WOLF GmbH: CHA-Monoblock – Luft/Wasser-Wärmepumpe und Kaskadenlösungen für Mehrfamilienhäuser. Technische Produktinformationen, abgerufen August 2026.

[6] Weider Wärmepumpen GmbH: weiTrona air – Produktbroschüre. Ausgabe April 2026.

[7] CTA AG: Aeroheat – R290-Wärmepumpensysteme. Technische Produktinformationen, abgerufen August 2026.

[8] iDM Energiesysteme GmbH: iPUMP N5 – Wärmepumpenlösung für den mehrgeschossigen Wohnbau. Technische Produktinformationen, abgerufen August 2026.

[9] SOLVIS GmbH: SolvisPia – Luft/Wasser-Wärmepumpe mit R290. Technische Produktinformationen, abgerufen August 2026.

Normative und technische Grundlagen

[10] DIN EN 12831-1:2017-09: Energetische Bewertung von Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast – Teil 1: Raumheizlast. Beuth/DIN Media, Berlin.

[11] DIN/TS 12831-1:2020-04: Verfahren zur Berechnung der Raumheizlast – Teil 1: Nationale Ergänzungen zur DIN EN 12831-1. DIN Media, Berlin.

[12] VdZ – Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie e. V.: Hydraulischer Abgleich von Heizungsanlagen – Verfahren A und Verfahren B sowie Nachweisformulare. Fachinformationen, Stand 2026.

Wärmepumpenkonzept für ein Mehrfamilienhaus technisch einordnen lassen

Vor einer Geräteauswahl sollten Heizlast, Heizflächen, Systemtemperaturen, Trinkwarmwasser und Hydraulik zusammen geprüft werden.

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